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EU Innovation Fund

Der EU-Innovationsfonds: Projektkategorien, THG-Methodik und das Auktionsverfahren

Was der EU-Innovationsfonds am Ende zahlt, hängt an den relevanten Kosten – und die sind nicht deine CAPEX. Dieser Leitfaden zeigt, wie du sie und die vermiedenen Treibhausgase rechnest, in welches CAPEX-Band dein Projekt fällt und wann sich statt des Zuschusses eine Auktion lohnt. Stand August 2026.

Zusammenfassung

  • Über den regulären Zuschuss zahlt der EU-Innovationsfonds bis zu 60 % der relevanten Kosten, über die Auktion bis zu 100 %.
  • „Relevante Kosten“ sind die Netto-Mehrkosten der innovativen Lösung nach Abzug der Einnahmen – nicht deine CAPEX. Je tragfähiger dein Geschäftsmodell rechnet, desto kleiner fällt am Ende der Zuschuss aus.
  • Die Ausschreibung 2025 teilte die Projekte nach CAPEX auf fünf Themen auf, das kleinste ab 2,5 Millionen Euro – neben den Flaggschiffen kommen also auch mittlere Vorhaben zum Zug.
  • Die vermiedenen Treibhausgase bestimmen sowohl deine Bewertung als auch deine Auszahlungen, und der Netzstrom, den dein Projekt verbraucht, zählt dabei mit null.
  • Stand August 2026 ist keine Ausschreibung offen; die letzten drei öffneten jeweils Ende November oder Anfang Dezember, und die nächsten beiden sind für den kommenden Dezember bereits angekündigt.

Der EU-Innovationsfonds ist das größte Förderinstrument der Europäischen Union für den kommerziellen Einsatz innovativer Netto-Null-Technologien – und er hängt nicht am EU-Haushalt: Das Geld stammt aus den Einnahmen des europäischen Emissionshandels (EU-EHS).

Was ist der EU-Innovationsfonds und was finanziert er?

Bis zu 60 % der relevanten Kosten übernimmt der reguläre Zuschuss, in der Auktion sind es bis zu 100 %. Zuständig sind dafür zwei Häuser: Die Generaldirektion Klimapolitik (GD CLIMA) setzt die Regeln, und die Europäische Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA) führt die Ausschreibungen durch, schließt die Zuschussvereinbarungen und zahlt aus.

Gespeist wird der Fonds aus der Versteigerung von EU-EHS-Zertifikaten. Die GD-CLIMA-Leitlinie in ihrer Fassung vom Dezember 2025 beziffert das Volumen auf etwa 40 Milliarden Euro zwischen 2020 und 2030, gerechnet mit 75 Euro je Tonne CO2. Weil dieser Rahmen am Kohlenstoffpreis hängt, ist er eine Größenordnung und keine Zusage.

Wopke Hoekstra, EU-Kommissar für Klima, Netto-Null und sauberes Wachstum, hat das im Juni 2026 auf eine Formel gebracht: „Finanziert mit den Einnahmen aus dem Emissionshandelssystem, verwandelt es die Kosten von Emissionen in den Treibstoff für Innovation.“

Wer sich bewerben darf, ist entsprechend weit gefasst: jedes Unternehmen, jedes Konsortium und jede öffentliche Einrichtung, unabhängig vom Sitzland. Das Projekt selbst muss allerdings in einem EU-Mitgliedstaat oder in Island, Norwegen oder Liechtenstein stehen. Eine Größenbeschränkung gibt es nicht, der Konzern steht hier neben dem Mittelständler.

Entscheidend ist stattdessen die Reife: Gefördert werden Einsatz und Demonstration, nicht die Forschung dahinter. Steckt deine Technologie noch im Labor, bist du im falschen Programm – unsere Übersicht der EU-Förderprogramme für Unternehmen führt dann zu den passenderen Töpfen.

Ausgezahlt wird ein nicht rückzahlbarer Zuschuss gegen Meilensteine, und zwar nach der GD-CLIMA-Leitlinie (Dezember 2025) zu bis zu 40 %, bevor die Anlage vollständig in Betrieb ist. Für die Liquiditätsplanung während der Bauphase macht genau dieser Anteil den Unterschied.

Welche Projektkategorien und CAPEX-Bänder gelten für dein Projekt?

Die Ausschreibung „Netto-Null-Technologien 2025“ hat die Projekte nach Investitionsausgaben (CAPEX) auf fünf Themen verteilt: Großprojekte über 100 Millionen Euro, mittelgroße Projekte von 20 bis 100 Millionen Euro, Kleinprojekte von 2,5 bis 20 Millionen Euro, dazu die Fertigung von Cleantech ab 2,5 Millionen Euro und Pilotprojekte ebenfalls ab 2,5 Millionen Euro.

Die CAPEX-Summe entscheidet also darüber, in welchem Thema du antrittst, und jedes Thema hat seinen eigenen Wettbewerb. Der Ausschreibungstext IF25 NZT der Europäischen Kommission vom Dezember 2025 hinterlegte diese Themen mit insgesamt 2,9 Milliarden Euro.

ThemaCAPEX-SchwelleVerfügbares BudgetEingegangene Anträge

Allgemeine Dekarbonisierung, Großprojekte

Über 100 Millionen Euro

1,2 Milliarden Euro

104

Allgemeine Dekarbonisierung, mittelgroße Projekte

20 Millionen bis 100 Millionen Euro

300 Millionen Euro

74

Allgemeine Dekarbonisierung, Kleinprojekte

2,5 Millionen bis 20 Millionen Euro

100 Millionen Euro

51

Fertigung von Cleantech

Über 2,5 Millionen Euro

1 Milliarde Euro

50

Pilotprojekt

Über 2,5 Millionen Euro

300 Millionen Euro

79

Quelle: Europäische Kommission, IF25-NZT-Ausschreibung und Antragsstatistik vom 29. Mai 2026.

An dieser Tabelle fallen zwei Dinge auf, die im Beratungsgespräch regelmäßig für Erstaunen sorgen. Zum einen die Untergrenze: Mit 2,5 Millionen Euro CAPEX passt schon ein einzelner elektrifizierter Ofen oder eine überschaubare Speicheranlage hinein. Zum anderen der Andrang – die Antragsstatistik der Kommission vom Mai 2026 zählt für das Thema Kleinprojekte nur 51 Anträge, und für die Fertigung von Cleantech, immerhin ein Thema mit 1 Milliarde Euro, gerade einmal 50.

Wer nahe an einer Bandgrenze plant, trifft deshalb eine strategische und keine verwaltungstechnische Entscheidung: Wachsen die Investitionskosten von 19 auf 21 Millionen Euro, wechselst du aus einem Topf von 100 Millionen Euro in einen mit 300 Millionen Euro – und in eine ganz andere Vergleichsgruppe.

Wie viel deckt der EU-Innovationsfonds tatsächlich ab?

Der Fonds deckt bis zu 60 % der relevanten Kosten, und das sind eben nicht 60 % deiner CAPEX. Artikel 5 Absatz 1 der Delegierten Verordnung (EU) 2019/856 definiert die relevanten Kosten als die Netto-Mehrkosten, die der Einsatz der innovativen Technologie gegenüber der konventionellen Lösung verursacht. Einnahmen und betriebliche Vorteile gehen davon ab, und deshalb drückt ein gutes kommerzielles Argument den Zuschuss.

Diese plakativen 60 % sind das teuerste Missverständnis im ganzen Programm. Nach der Standardmethode ohne Referenzanlage rechnet die Kommission so:

Relevante Kosten = CAPEX + Barwert der OPEX + Barwert der Wartungs-CAPEX, abzüglich des Barwerts der betrieblichen Vorteile und Einnahmen, über die ersten zehn Betriebsjahre.

Abgezogen werden nicht nur die Produkterlöse, sondern auch Einnahmen aus dem Verkauf überschüssiger kostenloser EU-EHS-Zertifikate; die Methodik behandelt sie als betrieblichen Vorteil. Je besser dein Projekt kommerziell dasteht, desto kleiner wird die förderfähige Basis.

Auch den Abzinsungssatz darfst du nicht selbst wählen. Die Methodik für relevante Kosten in der Fassung V5.0 vom Dezember 2025 setzt Beta fix auf 1 und die Standard-Eigenkapitalrisikoprämie auf 6 %. Bewegen lässt sich diese Prämie nur zwischen 4 % und 8 %, und auch das nur mit Begründung.

Dazu kommen eine Standard-Innovationsprämie von 2,5 % und ein länderspezifischer risikofreier Zinssatz, für Deutschland 0,75 %. Den eigenen unternehmensspezifischen WACC anzusetzen, ist ausdrücklich nicht erlaubt.

Mit den deutschen Standardwerten betragen die Eigenkapitalkosten also 0,75 + 6,0 + 2,5, zusammen 9,25 %.

Rechnen wir das mit den veröffentlichten Parametern einmal durch: ein Projekt mit 60 Millionen Euro CAPEX, 40 Millionen Euro Barwert der OPEX über zehn Jahre und 70 Millionen Euro Barwert aus Einnahmen und betrieblichen Vorteilen. Die relevanten Kosten liegen damit bei 30 Millionen Euro, der maximale Zuschuss bei 60 % also bei 18 Millionen Euro – das sind 30 % der CAPEX und eben nicht 60 %.

Achtzehn Millionen Euro bleiben trotzdem eine erhebliche Summe. In der Praxis sehen wir das etwa bei einem Industrieunternehmen, dessen kohlenstoffarmer Pfad für einen energieintensiven Prozess technisch überzeugte und allein am Kostenaufschlag gegenüber der konventionellen Anlage scheiterte. Erst ein Antrag, der um eine belastbare Mehrkostenrechnung herum gebaut war, brachte rund 15 Millionen Euro – nachzulesen in unserer Fallstudie zur industriellen Dekarbonisierung im EU-Innovationsfonds.

Wie wird die Vermeidung von Treibhausgasemissionen berechnet?

Berechnet wird die Emissionsvermeidung, indem dein Projekt gegen ein vorgeschriebenes Referenzszenario gestellt wird, und zwar über die ersten zehn Jahre ab Inbetriebnahme. Die THG-Methodik der Europäischen Kommission in der Fassung V5.1 vom Januar 2026 verlangt das Ergebnis doppelt: als absolute Tonnage und als Prozentsatz der Referenzemissionen.

Der Weg dorthin ist in sechs Schritten vorgeschrieben:

  1. Verstehe zuerst, was dein Projekt leistet und was es ersetzt.
  2. Ordne es einer Projektklasse zu und finde den zugehörigen Abschnitt der Methodik.
  3. Lege die Systemgrenzen fest.
  4. Bestimme das Referenzszenario.
  5. Fülle die THG-Rechner-Tabelle aus.
  6. Lade den Rechner zusammen mit dem Antrag hoch.

An Schritt zwei entscheidet sich, ob ein Antrag trägt. Jedes Projekt hat genau ein Hauptprodukt, und dieses Produkt legt den Sektor fest, in dem du antrittst. Wer den falschen Sektor wählt, rechnet mit allen Folgezahlen falsch. Ein Vorhaben, das Ethanol zur Beimischung in Benzin herstellt, gehört deshalb zu den Raffinerien und nicht zur Chemie: Das Referenzszenario folgt der häufigsten Verwendung des Produkts.

Vorgeschrieben ist dabei auch das Referenzszenario selbst, wählbar ist es in aller Regel nicht. Erneuerbare Wärme misst sich am EU-EHS-Wärme-Benchmark, Wasserstoff am EHS-Wasserstoff-Benchmark. Der Spielraum, den Antragsteller an dieser Stelle vermuten, existiert weitgehend nicht.

Eine Regel trifft dabei jeden unvorbereitet, der eine Fabrik baut: Bei der Komponentenfertigung liegt das Werk selbst außerhalb der Systemgrenze. Bewertet wird, was deine Komponenten nach dem Einbau leisten, und zwar über höchstens fünf Nutzungsjahre. Anrechnen darfst du davon nur den Anteil, den die Komponente an den Gesamtkosten hat. Die Methodik führt das an Rotorblättern vor: Machen sie 25 % der Investitionskosten einer Windkraftanlage aus, rechnest du 25 % der Vermeidung an.

Die Emissionsfaktoren, die deine Bewertung bestimmen

Die eigentliche Arbeit erledigen drei Emissionsfaktoren, und der erste dreht dem Ingenieursinstinkt das Vorzeichen um.

StromflussEmissionsfaktorWarum er zählt

Netzstrom, den dein Projekt verbraucht

Null

Modelliert auf Basis des prognostizierten Strommixes 2050

Ersetzter Strom, nicht steuerbar

0,176 tCO2e/MWh

Basierend auf dem erwarteten Strommix 2030

Ersetzter Strom, steuerbar oder Speicher

0,505 tCO2e/MWh

Basierend auf der Erdgasverstromung im offenen Gasturbinenprozess (Single Cycle)

Quelle: Europäische Kommission, InnovFund THG-Emissionsvermeidungsmethodik V5.1, 15. Januar 2026.

Netzstrom, den dein Projekt verbraucht, geht mit null in die Rechnung ein. Elektrifizierst du einen Prozess, gilt der bezogene Strom als kohlenstofffrei, weil die Bewertung die Leistung in einer bereits dekarbonisierten Wirtschaft abbildet. Wer stattdessen mit der heutigen Netzintensität rechnet, bekommt eine Zahl, die niemand anerkennt.

Die beiden Ersatzfaktoren erklären, warum Speicher und steuerbare erneuerbare Erzeugung je Megawattstunde oft besser abschneiden als Wind oder Photovoltaik: Wer Spitzenlast aus Erdgas verdrängt, bekommt rund das Dreifache dessen angerechnet, was die Verdrängung des Durchschnittsmixes von 2030 einbringt. Unsere Fallstudie zu Energiespeichern im EU-Innovationsfonds liegt auf der 0,505-Seite dieser Grenze.

Umgekehrt bleiben einige Emissionen in beiden Szenarien komplett außen vor: Bau und Investitionsgüter, Förderung und Verteilung fossiler Brennstoffe, Stilllegung sowie der Transport von Rohstoffen und Fertigprodukten.

Wie werden Anträge an den Innovationsfonds bewertet?

Über reguläre Zuschussanträge entscheiden fünf Kriterien: Innovationsgrad, Potenzial zur Vermeidung von Treibhausgasen, Reifegrad des Projekts, Replizierbarkeit und Kosteneffizienz. Kosteneffizienz meint dabei den beantragten Zuschuss je vermiedener Tonne CO2. Auktionsgebote laufen anders: Wer die Qualifikationskriterien besteht, wird anschließend allein nach dem Preis gereiht.

In der Kosteneffizienz treffen die Rechnung zu den relevanten Kosten und die THG-Rechnung aufeinander. Eine schwache THG-Zahl kostet dich deshalb zweimal: einmal im eigenen Kriterium und einmal hier.

Das Auktionsverfahren: eine feste Prämie statt eines Zuschusses

In der Auktion gibt es keinen Zuschuss auf Kosten, sondern eine feste Prämie je Einheit verifizierter Leistung. Die Gebote werden vom günstigsten zum teuersten sortiert und der Reihe nach bedient, bis das Budget leer ist.

Damit verschiebt sich das Risiko. Die GD CLIMA stellt klar, dass es keine Vorfinanzierung und keine Zahlung vor Inbetriebnahme gibt: Du baust die Anlage, du produzierst, die Leistung wird zertifiziert und verifiziert – und erst dann fließt Geld. Die Methodik der relevanten Kosten gilt für Auktionen überhaupt nicht.

Zwei Auktionsfamilien laufen inzwischen parallel. Die Wasserstoffauktionen gehören zur Europäischen Wasserstoffbank und zahlen bis zu zehn Jahre lang. Die IF25-Wasserstoffauktion schloss mit 58 Geboten bei einem Budget von 1,3 Milliarden Euro; nachdem im Juni 2026 vier Projekte von der Reserveliste nachgerückt sind, stehen dort über 1,2 Milliarden Euro für 13 Projekte. Die erfolgreichen Gebote lagen zwischen 0,44 und 3,49 Euro je Kilogramm, wobei die Belieferung von Schifffahrt und Luftfahrt deutlich teurer ausfiel als allgemeiner erneuerbarer Wasserstoff.

Jünger ist die Wärmeauktion. Die IF25-Wärmeauktion wurde im Rahmen des Clean Industrial Deal als Pilot für die Bank für industrielle Dekarbonisierung angekündigt und zahlt bis zu fünf Jahre lang eine leistungsbasierte Prämie auf verifizierte dekarbonisierte Wärme. Die Europäische Kommission vergab im Mai 2026 rund 400 Millionen Euro an 65 Projekte in zehn Ländern mit zusammen 766 MW thermischer Leistung.

Mitgliedstaaten können über „Auctions-as-a-Service“ eigenes Geld dazulegen. Nach den Statistiken der Europäischen Kommission vom März 2026 haben Deutschland 1,3 Milliarden Euro und Spanien 490 Millionen Euro für die Auktionen 2025 zugesagt. Wer mitmacht, muss allerdings der Rangfolge des Fonds folgen und darf keine eigenen Kriterien anhängen.

Zuschuss oder Auktion: Welches Verfahren passt zu deinem Projekt?

Welches Verfahren du wählst, verändert deine Chancen erheblich. In der Runde 2025 war die Ausschreibung für Netto-Null-Technologien sechsfach überzeichnet, die Wasserstoffauktion mehr als sechsfach – so die 2026 veröffentlichten Statistiken der Europäischen Kommission. Die Wärmeauktion kam auf das 1,4-Fache und ist damit derzeit das am wenigsten überlaufene Verfahren.

Verfahren (Runde 2025)BudgetGebote oder AnträgeÜberzeichnet

NZT-Zuschussausschreibung

2,9 Milliarden Euro

358 Anträge, 17,5 Milliarden Euro beantragt

6-fach

Wasserstoffauktion

1,3 Milliarden Euro

58 Gebote, 8,4 Milliarden Euro beantragt

Über 6-fach

Wärmeauktion

1 Milliarde Euro

85 Gebote, 1,4 Milliarden Euro beantragt

1,4-fach

Quelle: Europäische Kommission, IF25-Ausschreibungs- und Auktionsstatistiken, März und Mai 2026.

Die Wasserstoffauktion ist damit genauso umkämpft wie die Zuschuss-Ausschreibung, die Wärmeauktion bislang nicht. Wer ein Projekt zur Elektrifizierung industrieller Prozesswärme in der Schublade hat, sollte sich genau diese Lücke merken: Die nächste IF26-Wärmeauktion ist für Dezember 2026 angekündigt.

Auch ein abgelehnter Antrag ist übrigens nicht umsonst geschrieben. Die Europäische Kommission bestätigte im Mai 2026, dass jedes Projekt, das die Bewertungskriterien erfüllt, ein STEP-Siegel bekommt, ob gefördert oder nicht. Für starke, aber nicht finanzierte Vorhaben bietet die Europäische Investitionsbank zusätzlich Projektentwicklungshilfe an.

Vorhaben, die für den kommerziellen Einsatz noch zu früh sind, liegen dagegen im falschen Instrument: Die Struktur von Horizon Europe mit ihren Clustern finanziert die Forschung, die dem Einsatz vorausgeht.

Stand 18. August 2026 ist keine Ausschreibung des Innovationsfonds offen. Die Europäische Kommission öffnet sie erfahrungsgemäß zum Jahresende, die letzten drei am 23. November 2023, am 3. Dezember 2024 und am 4. Dezember 2025. Für Dezember 2026 sind bereits die IF26-Wärmeauktion mit bis zu 1 Milliarde Euro und die vierte Wasserstoffauktion mit bis zu 500 Millionen Euro angekündigt.

Warum scheitern Anträge für den Innovationsfonds?

Den größten Teil der Ablehnungen erklären sechs Fehler. Drei davon sitzen in der Rechnung: der falsche Sektor für das Hauptprodukt, THG-Zahlen, die dem Finanzmodell widersprechen, und Annahmen, die zugunsten des eigenen Projekts verzerrt sind. Die anderen drei betreffen den fehlenden Überwachungsplan, die Referenzanlagenmethode ohne die Bedingungen dafür und unbelegte Abnahmezusagen.

  • Falscher Sektor für das Hauptprodukt. Jede Folgezahl erbt den Fehler. Lege das Hauptprodukt deshalb fest, bevor überhaupt jemand eine Tabelle öffnet.
  • THG-Zahlen, die dem Finanzmodell widersprechen. Gutachter vergleichen die Produktionsmengen über alle Dokumente hinweg – also leite beide Dateien aus ein und demselben Satz Annahmen ab.
  • Annahmen, die zugunsten des eigenen Projekts verzerrt sind. Die Methodik warnt ausdrücklich davor, dass absichtlich zu günstig gewählte Annahmen die Bewertung beschädigen können. Jeder Parameter braucht darum einen Beleg, den ein Dritter nachvollziehen kann.
  • Kein glaubwürdiger Überwachungsplan. Die Auszahlung hängt an verifizierten Emissionsminderungen. Schreib den Plan so, als säße der Prüfer schon im Raum. Irgendwann sitzt er dort wirklich.
  • Referenzanlagenmethode ohne die Bedingungen dafür. Eine dünne Begründung schlägt direkt auf die Kosteneffizienz durch. Im Zweifel bleibt die Methode ohne Referenzanlage die sichere Wahl.
  • Unbelegte Abnahmezusagen. Vertragsentwürfe oder Absichtserklärungen räumen das aus, und die Methodik lädt ausdrücklich dazu ein.

Wie es aussieht, wenn ein Antrag diese Hürden nimmt, zeigt die IF24-Runde: CINEA meldete im März 2026, dass von 359 Anträgen 54 Projekte Zuschussvereinbarungen über 2,7 Milliarden Euro unterzeichnet haben, mit Einzelbewilligungen zwischen 1,8 und 216 Millionen Euro. Wer diese sechs Fehler vor der Einreichung ausräumen will, findet in unserer Beratung zum EU-Innovationsfonds ein erfolgsbasiertes Modell: Honorar fällt nur an, wenn die Förderung auch kommt.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Finanzberatung dar. Die Programmregeln ändern sich von Ausschreibung zu Ausschreibung – prüfe deshalb die aktuellen Ausschreibungsunterlagen oder sprich mit einer Beraterin oder einem Berater, bevor du Kapital bindest.

Passend zum Thema: EU-Innovationsfonds-Beratung

Häufige Fragen

Wie viel deckt der EU-Innovationsfonds ab?

Beim regulären Zuschuss bis zu 60 % der relevanten Kosten, in der Auktion bis zu 100 %. Relevante Kosten sind Kapital- und Betriebskosten abzüglich der Einnahmen über die ersten zehn Betriebsjahre. Gedeckt werden also die Netto-Mehrkosten und nicht deine gesamten CAPEX.

Ist der EU-Innovationsfonds ein Zuschuss oder ein Darlehen?

Ein Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss, in der Auktion eine feste Prämie. Finanziert wird er aus den Einnahmen des EU-Emissionshandels und nicht aus dem EU-Haushalt; die Kommission behandelt ihn zudem nicht als staatliche Beihilfe.

Wer kann sich für den EU-Innovationsfonds bewerben?

Jedes Unternehmen, jedes Konsortium und jede öffentliche Einrichtung, die eine innovative kohlenstoffarme Technologie in einem EU-Mitgliedstaat, in Island, Norwegen oder Liechtenstein einsetzt. Eine Größenbeschränkung gibt es nicht, wohl aber die Bedingung, dass es um kommerziellen Einsatz geht und nicht um Forschung.

Wann ist die nächste Ausschreibung des EU-Innovationsfonds?

Stand 18. August 2026 ist keine Ausschreibung offen. Die Europäische Kommission öffnet sie erfahrungsgemäß zum Jahresende; die letzten drei starteten am 23. November 2023, am 3. Dezember 2024 und am 4. Dezember 2025. Angekündigt sind für Dezember 2026 eine IF26-Wärmeauktion mit bis zu 1 Milliarde Euro und die vierte Wasserstoffauktion mit bis zu 500 Millionen Euro.

Wie werden Anträge für den EU-Innovationsfonds bewertet?

Nach fünf Kriterien: Innovationsgrad, Potenzial zur Vermeidung von Treibhausgasen, Reifegrad des Projekts, Replizierbarkeit und Kosteneffizienz. Auktionsgebote durchlaufen stattdessen nur Qualifikationskriterien und werden anschließend allein nach dem Preis je Leistungseinheit gereiht.

Wie lange dauert es von der Antragstellung bis zur Finanzierung?

Bei der Ausschreibung „Netto-Null-Technologien 2025“ endete die Antragsfrist am 23. April 2026, die Ergebnisse werden bis Oktober 2026 erwartet, die Zuschussvereinbarungen folgen danach. Rechne zusätzlich Zeit für den finanziellen Abschluss ein, bevor der Bau beginnt.

Kann Geld aus dem Innovationsfonds mit nationaler Förderung kombiniert werden?

Ja, im Rahmen der beihilferechtlichen Kumulierungsgrenzen. Andere öffentliche Zuschüsse gehen ausdrücklich in die Berechnung der relevanten Kosten und in das Kosteneffizienzverhältnis ein. Gib sie also vollständig an.

Was passiert, wenn mein Projekt die versprochenen Emissionen nicht erreicht?

Die Auszahlung des Zuschusses hängt an verifizierten Emissionsminderungen. Lassen sich Annahmen, die im Antrag getroffen wurden, in der Umsetzung nicht nachweisen, kann die Zahlung gekürzt werden. Der Ausschreibungstext regelt das im Detail.

Artikel von Aydan Aliyeva
Aydan Aliyeva
Aydan Aliyeva COO bei BeFunded

Aydan Aliyeva ist COO bei BeFunded, der erfolgsbasierten Fördermittelberatung für Startups und KMU. Sie ist außerdem bei GrantBite aktiv, einer KI-gestützten Plattform, die Start-ups, Organisationen und Innovatoren hilft, Fördermittel in Europa und darüber hinaus effizient zu finden und zu sichern. Ihre Forschung zu unternehmerischen Herausforderungen und zur Stärkung von Frauen wurde in Publikationen wie IGI Global Scientific Publishing und ResearchGate sowie in weiteren wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht.

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