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Engineering-Software · Fallstudie

Forschungszulage zweimal abgelehnt, per Widerspruch doch bescheinigt

Praxisbeispiel auf Basis realer Projekte · anonymisiert, Zahlen gerundet · Stand:

Die BSFZ hat den Antrag eines Engineering-Software-Startups zweimal abgelehnt. Wir haben das Vorhaben neu zugeschnitten und Widerspruch eingelegt, danach wurde genau dieselbe Arbeit bescheinigt.

70.000 €
Forschungszulage festgesetzt
250.000 €
Bemessungsgrundlage
bis zu 35 %
KMU-Fördersatz
Auf einen Blick

Das Mandat in Zahlen

BrancheEngineering-Software / SimulationCloud- & browserbasiertes CAE
Forschungszulage festgesetzt70.000 €Auf die Steuer angerechnet, Überschuss erstattet
Bemessungsgrundlage250.000 €
ErgebnisZweimal abgelehnt → im Widerspruch bescheinigt
Projekte1 bescheinigt (nach 2 Ablehnungen)
KMU-FördersatzBis zu 35 %
Über das Unternehmen

Browserbasierte Simulation mit echter F&E dahinter

Das Unternehmen baut eine Plattform, die rechenintensive Ingenieur-Simulationen direkt im Browser verfügbar macht – ohne lokale Installation, mit verteiltem Rechnen und der Fähigkeit, sehr große Modelle interaktiv darzustellen.

Darin steckt echte Entwicklungsarbeit: clientseitiges Rendern und Verarbeiten großer Datenmengen, Parallelisierung von Simulationsläufen und Echtzeit-Zusammenarbeit am selben Simulationsmodell.

Der erste Antrag wurde vom Unternehmen selbst gestellt. Das Projekt wurde als „webbasierte Lösung für automatisierte Simulationen“ beschrieben, nah an dem, was das Team tatsächlich tut, aber für die Begutachtung zu breit und zu produktnah formuliert.

Die Herausforderung

Warum echte Entwicklungsarbeit trotzdem abgelehnt wurde

Die Bescheinigungsstelle prüft drei Kriterien: Neuheit, technisches Risiko und ein systematisches Vorgehen. Ein Projekt als „Automatisierung“ oder „Plattform-Ausbau“ zu beschreiben, liest sich aus Prüfsicht als Produktziel statt als Forschungsziel. Die technische Unsicherheit, die Frage, wo genau das Projekt scheitern könnte, geht in einer breiten Plattformbeschreibung verloren.

Genau das ist hier passiert. Die erste Entscheidung: abgelehnt. Selbst nach einer Nachforderung, mit ergänzten Details, blieb die Ablehnung bestehen. Viele Antragsteller geben an diesem Punkt auf und verschenken eine Förderung, die ihnen zusteht.

Das ist ein Trugschluss. Eine Ablehnung besagt nur, dass das Projekt, wie eingereicht, die Kriterien nicht sichtbar erfüllt. Sie sagt nichts darüber aus, ob die tatsächliche Arbeit förderfähige F&E enthält. Die entscheidende Frage ist nicht „war der Antrag gut“, sondern „wo genau lag die wissenschaftlich-technische Unsicherheit, und wurde sie sichtbar gemacht.“

Neuheit Technisches Risiko / Unsicherheit Systematisches Vorgehen
Unser Ansatz

In drei Schritten von der Ablehnung zur Bescheinigung

Wir haben das Mandat nach der zweiten Ablehnung übernommen und den Fall von Grund auf neu aufgebaut.

Die Diagnose

Wir haben die Entscheidung seziert und identifiziert, wo die Prüfung den F&E-Charakter nicht erkannt hatte. Das Muster war klar: Das Projekt war zu breit, das technische Risiko nicht greifbar, die Abgrenzung vom Stand der Technik fehlte.

Entscheidungsanalyse

Der Neuzuschnitt

Aus dem breiten Plattformprojekt isolierten wir den Teil mit der größten, am besten belegbaren technischen Unsicherheit: die interaktive Visualisierung und Verarbeitung sehr großer Modelle, clientseitig, im Browser, in Echtzeit. Das ist kein Standardproblem. Etablierte Tools lösen es auf dem Server oder in nativer Desktop-Software. Dieselbe Fähigkeit im Browser zu liefern war zu Projektbeginn nicht ausgereift und barg echtes Scheiterrisiko. Wir dokumentierten genau diese Abgrenzung, was Stand der Technik war und was darüber hinausging, zum Projektbeginn.

Projektumfang

Der Widerspruch

Wir haben die Argumentation entlang der drei Kriterien neu aufgebaut, das Risiko entlang des Lösungswegs mit konkreten Abbruchkriterien belegt und die Auftragsforschung sauber als eigenständige Lösung eines technischen Problems dargestellt, nicht als reine Zulieferleistung.

Förmlicher Widerspruch

Vom Ablehnungsbescheid zur Bescheinigung

✕
2× abgelehnt
Breiter, produktnaher Zuschnitt
↻
Neu zugeschnitten
Scharf abgegrenztes technisches Teilproblem isoliert
✓
Bescheinigt
Nach dem Widerspruch bescheinigt

Woraus die Bemessungsgrundlage bestand

Intern ≈ 40 % Auftragsforschung ≈ 60 %
Interne Personalkosten Auftragsforschung (in voller Höhe anerkannt)

Bemessungsgrundlage 250.000 €. Die Auftragsforschung wurde in voller Höhe anerkannt und bildet sogar den größeren Teil der Basis; die gezeigte Aufteilung ist illustrativ.

Das Ergebnis

Eine Forschungszulage von 70.000 €.

Ein nach zwei Ablehnungen als verloren geltender Anspruch endete mit einem erteilten Bescheid: eine Forschungszulage von 70.000 € bei einer Bemessungsgrundlage von 250.000 €. Der Unterschied lag nicht im Projekt, sondern darin, wie es dargestellt wurde.

Bemessungsgrundlage 250.000 € · Auftragsforschung in voller Höhe anerkannt
Neu zugeschnittenes Vorhaben bescheinigtDas scharf umrissene Teilproblem trug Neuheit und Risiko sichtbar in sich.
Auftragsforschung in voller Höhe anerkanntSie macht sogar den größeren Teil der Bemessungsgrundlage aus.
Innerhalb der Widerspruchsfrist eingereichtEin Monat ab Zustellung; die Frist wurde gehalten.
Die wichtigsten Erkenntnisse

Was andere Unternehmen lernen können

Eine Ablehnung kann angefochten werden: Der Widerspruch ist ein ausdrücklicher Teil des Verfahrens. Drei Punkte entscheiden über den Ausgang.

01 · Umfang

Projektumfang

Ein breites Produktziel lässt sich schwerer bescheinigen als ein scharf definiertes technisches Teilproblem mit klarem Risiko des Scheiterns. Ein abgelehnter Antrag enthält oft einen förderfähigen Kern, der nur freigelegt werden muss.

02 · Neuheit

Abgrenzung vom Stand der Technik

Entscheidend ist nicht der heutige Stand, sondern der Stand zum Zeitpunkt des Projektbeginns. Was damals gelöst war und was nicht, entscheidet über die Neuheit.

03 · Frist

Die Widerspruchsfrist

Ein Widerspruch kann innerhalb eines Monats nach Zustellung eingelegt werden. Verstreicht diese Frist, ist der einfachste Weg zurück zum Bescheid verwirkt.

Mehr zur Forschungszulage: Der Leitfaden Forschungszulage: Voraussetzungen, Höhe und Antrag erklärt das Programm Schritt für Schritt. Wie wir dein Vorhaben begleiten, steht unter Forschungszulage-Beratung.

“
Ein Ablehnungsbescheid ist nicht das Ende des Wegs. Er ist eine Diagnose, und eine Diagnose lässt sich behandeln.
BeFunded Zu Einsprüchen gegen BSFZ-Ablehnungen
FAQ

Abgelehnte Forschungszulage: deine Fragen

Die häufigsten Fragen zum Widerspruch gegen eine Ablehnung und dazu, was förderfähig bleibt. Kurze Antwort zuerst, Details danach.

Ja. Du kannst innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch gegen die Entscheidung der Bescheinigungsstelle einlegen, elektronisch über das Portal oder schriftlich. Entscheidend ist eine neu aufgebaute Begründung, keine Wiederholung des Antrags.

Der häufigste Grund ist die Darstellung: ein zu breit oder zu produktnah beschriebenes Projekt, eine fehlende Abgrenzung vom Stand der Technik oder ein technisches Risiko, das nicht greifbar gemacht wurde. Die zugrunde liegende Arbeit kann trotzdem förderfähig sein.

Oft ja. Ein präziser zugeschnittenes Projekt, das die wissenschaftlich-technische Unsicherheit klar trägt, hat deutlich bessere Chancen als der ursprüngliche, breite Antrag.

Ja, wenn der Auftragnehmer eigenständig ein wissenschaftliches oder technisches Problem löst. Reine Dienstleistung oder Lieferung ohne F&E-Charakter wird nicht anerkannt. Entscheidend ist die Abgrenzung im Antrag.

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